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Der Klaps

Submitted on Fri, 03/06/2020 - 15:44

Der Klaps. Eine kurze Stellungnahme.

Ich vermute, dass der ein oder andere Leser mir an dieser Stelle unterstellen möchte, den damals fünfjährigen Jungen irreparabel geschädigt und traumatisiert zu haben. 

Doch das ist aus zwei Gründen falsch: 

Erstens waren es eben keine Schläge, sondern es war ein wohldosierter Klapps um einen Wutanfall zu stoppen, in dem er anders nicht ansprechbar war - also ein deutliches Stoppzeichen, keine körperliche Bestrafung. Den Unterschied sollte man schon anerkennen.

Desweiteren konnte ich den Vorfall ein paarTage später in wenigen Minuten mit ihm aufarbeiten. 
Konkret habe ihn also befragt, was passiert sei (ich halte das an und für sich für legal, aber vorsichtshalber besitze ich ausserdem die offizielle Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde im Bereich der Psychotherapie). 

Aus Sicht des Jungen war folgendes geschehen: 

Er wollte die Spaghettisosse auf einem extra Teller. Ich habe sie ihm aber auf die Spaghetti getan. Er war empört darüber, und dann habe ich ihm noch eins hinten drüber gehauen.  

Es ist doch erstaunlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann. Was dem einen als logische Abfolge von Ereignissen erscheint, vielleicht als "Logische Konsequenz" (im modernen Fachjargon), ist für das Kind, den Heranwachsenden oder jeden anderen Bestraften keineswegs immer nachvollziehbar. 

Nach der zweiten Wiedererzählung war die Geschichte aber weitgehend komplett, der Groschen gefallen und die Sache wurde vorhersehbar uninteressant. Es gab nach Aussage der Mutter danach keinen weiteren der bis dahin regelmässig aufgetretenen Wutanfälle.